Adriakste Kuste

Wer von Brindisi in Richtung Lecce aufbricht, trifft als erstes auf Casalabate, einen erst wenige Jahre alten Ort, der im Winter fast unbewohnt ist. Entlang der Küste, die hier aus langen Sandstränden mit wenigen niedrigen Felsen besteht, erreicht man die Ortschaften Torre Rinalda, Torre Chianca und Frigole. Durch üppige Pinienwälder hindurch kommt man nach San Cataldo, den ‚Hausstrand‘ der Einwohner von Lecce, das  nur 11 km entfernt liegt. Hier findet man einen kleinen Hafen, der von Turisten benutzt wird,  und weite, saubere Strände. Der antike Hafen bewahrt noch die Reste der messapischen Gründung Lupiae und die  römischen Anlagen aus der Zeit Kaiser Adrians. Der Leuchtturm dient den wenigen Fischern des Ortes.

Weiter entlang der Panoramastraße Statale 611 erreicht man Vernole und das Naturschutzgebiet von Casine, das seit 1977 durch ein Abkommen als ‚Feuchtgebiet von internationalem Wert‘ geschützt wird. Das Gebiet erstreckt sich über 620 Hektar ca. 6 km entlang der Küste, einst ein Sumpfgebiet mit vielen Wasserläufen. Heute wird das Naturschutzgebiet vom WWF und dem Forstamt betreut.  Die Bedeutung dieser Oase liegt in der Möglichkeit, ein natürliches Umfeld von  Dünen und Salzwassertümpeln, Röhricht, Steineichen- und Pininenwäldchen zu bewahren. In diesem finden zwischen Myrthen- und Ginstergesträuch  verschiedene Tier- und Pflanzenarten, neben einigen Zugvogelarten, Lebensraum. Von hier aus geht es weiter bis San Foca, bis vor ca. vierzig Jahren ein unbedeutendes Fischerdorf, das heute mit seinem flachen Sandtrand ein lebhafter Badeort geworden ist.

Weiter Richtung Süden erreicht man Roca Vecchia, das an einer Felsenküste über dem durchsichtigen Wasser liegt. Bei Ausgrabungen hat man mächtige Blöcke seiner antiken Stadtmauern gefunden, ebenso wie eine Nekropole aus dem Jahr 1600 v. Chr. mit mehreren rechteckigen Grabstätten. In den Felsen gemeisselt, enthielten sie apulische rote Tongefäße als Grabbeigaben. In Roca Nuova befindet sich eine zweistöckige Burg und die Kirche San Vito. Unter dem Felsvorsprung, auf dem sich die Säule mit der Madonnenstatue erhebt,  liegt die Grotta della Poesia, die ‚Gedichtshöhle‘. In der Vergangenheit war sie nur über das Meer zugänglich, heute ist sie das über ein Treppchen. Sie war dem Gott Thaotor Andirahas (so sein messapischer Name) geweiht, und die Seeleute, die sie betraten, sprachen viele verschiedene Sprachen. Man kann das an den Tausenden von Inschriften,  die die Wände der Grotte bedecken, erkennen.

Von Roca aus geht es weiter bis Torre dell’Orso, Mit seinem Turm der von einem Felsvorsprung aus über den Strand ragt. Ein weiterer Vorsprung taucht steil ins Meer ein,  bis hinab zur Grotta di San Cristoforo mit ihren vorgeschichtlichen Resten. Von draussen im Meer aus bewachen zwei Klippen,  die Due sorelle,  ‚Zwei Schwestern‘, genannt werden, diese Bucht. Die letzte Bucht, die zur Gemeinde von Melendugno gehört, ist die von Sant’Andrea, die sich zwischen zwei Felshängen erschließt. Nach dieser befindet man sich in der Provinz von Otranto. Seine hohen Küste mit kleinen Eibuchtungen und Strandabschnitten ist sehr suggestiv. Durch die Macchia und einen dichten Pinienwald gelagt man zu den Laghi Almini, zwei Seen verschiedenen Ursprungs: Alimini Grande, ist durch einen engen Kanal mit dem Meer verbunden, der von der Salentinischen Küstenstraße überquert wird.  Alimini Piccolo, der auch Fontanella genannt wird, hingegen, entsteht in einer Senke und wird von einer Süßwasserquelle gespeiat. Die Seen verlaufen parallel zur Küste, die von für Sumpfgebiet typischer Vegetation und Rohrdickicht geprägt ist. Hier kommen sehr seltene Pflanzenarten wie Erba Vescica, eine fleischfressende Pflanze, Sumpforchideen und Salentinische Erika vor. In diesem Naturschutzgebiet trifft man auch seltene Reiherarten an.

Otranto liegt 10 km von hier entfernt. Die Stadt mit dem byzantinischen Stadtkern, der Kathedrale mit seinen Mosaiken und der Burg mit dem Graben von 1578 wird auch ‚Stadt der Märtyrer‘ genannt. Den Grund hierfür findet man im Jahr 1480, in dem 800 Einwohner otrantos von den Türken enthauptet wurden.

Weiter Richtung Süden trifft man auf den Torre del Serpe, der wie blutbefleckt wirkt mit senen Bauxitspuren im Gemäuer, und weiter auf die Einsiedelei Masseria delle Orte. Hier verläuft die Meerresküste entlang kleiner Buchten, die man über Fußwege erreicht.  Punta Palascia ist der östlichste Ort Italiens, 82 Meteer über dem Meeresspiegel gelegen. An Gehöften, Höhlen und Türmen vorbei gelangt man nach Porto Badisco. Der Sage nach ging hier Änäas an Land.  Die lange, schmale Bucht, die wie ein Fjord im Kleinformat wirkt und die hohen Felsen bewahren ein Heiligtum der Frühgeschichte, das zwischen Oleanederbäumen und Kaktusfeigen liegt.

Santa Cesarea Terme ist bekannt für die schwefelhaltigen Quellen, die in vier Grotten entspringen und den Ort zu einem Thermalzentrum machen. Der Ort Castro liegt mit der Burg und der Altstadt auf einer Anhöhe, verfügt aber auch über malerischen Hafen und eine der schönsten Buchten der Region. So viel Schönheit und Wasserqualität wurde mit einer ‚Blauen Fahne‘ der EU belohnt. Ma fährt nun entlang der abschüssigen Steilküste  an der beeindruckenden Tropfsteinhöhle von Zinzulusa, die fast einen Kilometer lang ist, vorbei. Sie bietet Wohnraum für viele Fledermäuse. Auch an der Küste von Andrano bleibt das Meer weiterhin kristallklar. Hier befindet sich die berühmte Grotta Verde, die ‚Grüne Grotte‘ mit schimmernden Stalagtiten. Am Ende dieser Route mit ihren reizvollen Ausblicken und Natureindrücken gelangt man schließlich nach Tricase, mit einem wichtigen Hafen, und nach Marina Serra, mit seinem viereckigen Turm, das durch einen tiefen Graben, den Ponte del Ciolo,  mit  dem Ort Novaglie verbunden ist.

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